Humanoide im Shopfloor: Terra Robotics beim Robotik Tag 2026

Terra Robotics


Lesezeit: ca. 4 Minuten

Sind humanoide Roboter bereits bereit für den industriellen Shopfloor – oder sprechen wir weiterhin über eine Technologie der Zukunft? Genau diese Frage steht am 29. September 2026 beim Robotik Tag der wvib Schwarzwald AG und des Work-Life Robotics Institute in Offenburg im Mittelpunkt. Terra Robotics ist gemeinsam mit Robotik- und Maschinensicherheitsexperte Jens Müller vor Ort.

Unter dem Motto „Schneller Einstieg. Praxislösungen. Technologietrends.“ bringt der Robotik Tag Hersteller, Experten und Anwender aus dem industriellen Mittelstand zusammen. Im Fokus steht nicht die reine Präsentation neuer Technologien, sondern die Frage, wie Robotik konkret, wirtschaftlich und sicher in bestehende Produktionsprozesse integriert werden kann.

Humanoide Robotik zwischen technischer Möglichkeit und industrieller Realität

Humanoide Roboter gehören aktuell zu den dynamischsten Entwicklungen innerhalb der industriellen Robotik.

Neue Plattformen können laufen, balancieren, Objekte erkennen, greifen und zunehmend komplexere Bewegungsabläufe ausführen. Damit unterscheiden sie sich grundlegend von klassischen stationären Industrierobotern.

Der besondere Ansatz: Humanoide Roboter können perspektivisch in Arbeitsumgebungen eingesetzt werden, die ursprünglich für Menschen entwickelt wurden.

Werkbänke, Regale, KLT-Behälter, Maschinen, Türen, Werkzeuge und bestehende Laufwege müssen dadurch nicht zwangsläufig vollständig für eine automatisierte Anlage umgebaut werden.

Doch zwischen technischer Demonstration und stabilem Produktionsbetrieb liegen noch entscheidende Schritte.

„Humanoide im Shopfloor: Realität oder Zukunft?“

Um 09:45 Uhr spricht Jens Müller beim Robotik Tag über genau diese Frage:

„Humanoide im Shopfloor: Realität oder Zukunft?“

Jens Müller ist zertifizierter Experte für Robotik- und Maschinensicherheit und beschäftigt sich intensiv mit der sicheren Integration humanoider Systeme. Er ist unter anderem Teil internationaler Normungsarbeit für die Sicherheit dynamisch stabiler mobiler Roboter.

Dabei geht es um eine zentrale Herausforderung:

Ein humanoider Roboter muss nicht nur eine Aufgabe technisch bewältigen können. Er muss diese Aufgabe wiederholbar, sicher und zuverlässig innerhalb einer realen Produktionsumgebung ausführen.

Dazu gehören Fragen wie:

  • Wie stabil arbeitet der Roboter über längere Zeiträume?
  • Welche Tätigkeiten eignen sich bereits für einen Pilotbetrieb?
  • Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden?
  • Welche Risiken entstehen durch bewegliche Arme, Beine und Werkzeuge?
  • Wie müssen Sicherheitskonzepte aufgebaut werden?
  • Welche Anforderungen entstehen durch Maschinenrecht, KI und Cybersecurity?
  • Wann ist ein Use Case wirtschaftlich sinnvoll?
  • Wie lässt sich ein erfolgreicher Pilot später skalieren?

Gerade die Verbindung aus technischer Machbarkeit und Sicherheit entscheidet darüber, ob humanoide Robotik vom Demonstrator zur industriellen Lösung wird.

Sind Humanoide für den Mittelstand Option oder Pflicht?

Direkt im Anschluss folgt um 10:15 Uhr die Paneldiskussion:

„Sind Humanoide für den Mittelstand Option oder Pflicht?“

Gemeinsam diskutieren Mathias Stach, Jens Müller, Timo Gessmann und Viacheslav Gromov über die Rolle humanoider Robotik im industriellen Mittelstand.

Die Frage ist besonders relevant, weil sich Unternehmen aktuell in einer schwierigen Position befinden.

Wer zu früh investiert, arbeitet möglicherweise mit einer Technologie, deren Fähigkeiten und Standards sich noch stark verändern.

Wer jedoch zu lange wartet, beginnt möglicherweise erst dann mit dem Aufbau von Know-how, wenn Wettbewerber bereits Erfahrungen aus mehreren Pilotprojekten gesammelt haben.

Deshalb verfolgt Terra Robotics einen schrittweisen Ansatz: kleine, klar definierte Anwendungsfälle identifizieren, Erfahrungen sammeln, Daten auswerten und anschließend entscheiden, ob eine Skalierung sinnvoll ist.

Welche Aufgaben eignen sich bereits für humanoide Roboter?

Nicht jeder Produktionsprozess benötigt einen humanoiden Roboter.

Bei hochstandardisierten Abläufen mit konstanten Bauteilen und hohen Stückzahlen sind klassische Industrieroboter oder speziell entwickelte Automatisierungsanlagen häufig weiterhin die bessere Lösung.

Interessant werden humanoide Systeme vor allem dann, wenn Flexibilität gefragt ist.

Auf der Terra-Robotics-Seite für Montage und Handling stehen deshalb unter anderem folgende Anwendungen im Fokus:

  • KLT-Pick-&-Place
  • Kitting und Materialbereitstellung
  • Sortieren von Bauteilen
  • Entnehmen und Einlegen
  • Ausrichten und Positionieren
  • Übergaben zwischen Arbeitsstationen
  • Linienrandversorgung
  • Bedienung von Türen, Schubladen oder Tastern
  • Werkzeughandling

Gerade bei variantenreicher Produktion können humanoide Roboter und mobile Manipulationssysteme interessant sein, weil sie vorhandene Infrastruktur nutzen können, anstatt für jeden neuen Prozess eine vollständig neue Sondermaschine aufzubauen.

Vom ersten Proof of Concept zur skalierbaren Anwendung

Die Einführung humanoider Robotik sollte nicht mit der Frage beginnen, wie viele Roboter ein Unternehmen benötigt.

Der erste Schritt lautet:

Welcher konkrete Prozess eignet sich für einen kontrollierten Test?

Ein sinnvoller Proof of Concept kann beispielsweise eine wiederkehrende Materialbereitstellung, das Entnehmen definierter Bauteile oder eine einfache Maschineninteraktion umfassen.

Dabei werden zunächst technische und organisatorische Fragen geklärt:

1. Prozess analysieren

Welche Tätigkeit soll übernommen werden? Wie häufig tritt sie auf und welche Varianten gibt es?

2. Anforderungen definieren

Welche Reichweite, Greifkraft, Geschwindigkeit, Sensorik und Genauigkeit werden benötigt?

3. Sicherheitskonzept entwickeln

Wie arbeiten Mensch und Roboter im gleichen Bereich? Welche Gefährdungen müssen berücksichtigt werden?

4. Anwendung testen

Der Prozess wird unter kontrollierten Bedingungen aufgebaut und wiederholt erprobt.

5. Daten auswerten

Zuverlässigkeit, Zykluszeit, Eingriffe, Fehler und tatsächlicher betrieblicher Nutzen werden bewertet.

6. Skalierbarkeit prüfen

Erst danach stellt sich die Frage, ob der Prozess ausgeweitet oder auf weitere Standorte übertragen werden sollte.

Dieser Ansatz wird auch in aktuellen Safety-Workshops zur humanoiden Robotik verfolgt: Bereits beim ersten Pilotprojekt sollte berücksichtigt werden, welche technischen und organisatorischen Voraussetzungen später für eine größere Skalierung notwendig wären.

Safety wird zum entscheidenden Faktor

Humanoide Roboter unterscheiden sich sicherheitstechnisch deutlich von vielen klassischen Robotersystemen.

Ein zweibeiniges System muss sein Gleichgewicht aktiv kontrollieren. Gleichzeitig bewegt es sich potenziell durch Bereiche, in denen Menschen arbeiten, und kann zusätzlich Gegenstände oder Werkzeuge handhaben.

Daher entstehen neue Anforderungen an Risikobeurteilung, Bewegungssteuerung und Systemintegration.

Aktuell wird unter anderem an der internationalen ISO/CD 25785-1 gearbeitet. Der Standard beschäftigt sich mit Sicherheitsanforderungen für dynamisch stabile industrielle mobile Roboter – darunter auch viele zweibeinige humanoide Systeme.

Für Unternehmen bedeutet das: Safety sollte nicht nachträglich ergänzt werden.

Sie muss bereits bei der Auswahl des Use Cases und beim Aufbau eines Proof of Concept berücksichtigt werden.

Terra Robotics beim Robotik Tag in Offenburg

Am Nachmittag geht der Robotik Tag von den Vorträgen direkt in die Praxis über.

Ab 14:00 Uhr finden am Work-Life Robotics Institute Standvorführungen verschiedener Robotik- und Automatisierungsanbieter statt.

Zu den vertretenen Unternehmen und Organisationen gehören unter anderem SCHUNK, fruitcore robotics, SICK, Zimmer Group, Hochschule Offenburg sowie Müller & Partner Sachverständige / Terra Robotics.

Damit können Besucher die zuvor diskutierten Themen unmittelbar mit realer Technologie verbinden und sich direkt mit den beteiligten Experten austauschen.

Der Robotik Tag ist mit maximal 100 Teilnehmern inzwischen ausgebucht.

Der Mittelstand muss nicht auf den perfekten Humanoiden warten

Die wichtigste Frage lautet aus unserer Sicht nicht, ob humanoide Roboter heute bereits sämtliche Erwartungen erfüllen.

Das tun sie nicht.

Entscheidend ist vielmehr, ob sich heute bereits einzelne Aufgaben finden lassen, bei denen Unternehmen sinnvoll Erfahrungen sammeln können.

Plattformen wie der Unitree G1 ermöglichen beispielsweise Forschung und Entwicklung rund um Wahrnehmung, Bewegungsplanung, Robot Learning und Mensch-Roboter-Interaktion. Andere humanoide Plattformen richten sich zunehmend stärker auf industrielle Manipulations- und Handlingaufgaben aus.

Der Einstieg muss deshalb nicht bedeuten, morgen eine komplette Produktionslinie mit Humanoiden zu betreiben.

Er kann bedeuten, heute mit einem klar definierten Anwendungsfall anzufangen zu lernen.

Humanoide Robotik für die eigene Produktion prüfen

Sie möchten herausfinden, welche Prozesse in Ihrem Unternehmen für humanoide Robotik oder andere Automatisierungslösungen geeignet sind?

Auf unserer Seite zu humanoiden Robotern für Industrie, Forschung und Bildung finden Sie aktuelle Plattformen und weitere Informationen.

Konkrete Anwendungen für Montage und Handling zeigen, welche Aufgaben bereits heute für Pilotprojekte interessant sein können.

Über die Bedarfsermittlung von Terra Robotics können Sie uns außerdem direkt Ihren Einsatzbereich und die wichtigsten Anforderungen mitteilen.

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