Walker S2: Humanoide Robotik mit Akku-Hot-Swap – der nächste Schritt Richtung 24/7-Automation

Panagiotis Kogakis

In der Industrie entscheidet Verfügbarkeit über Produktivität. Genau hier setzt der Walker S2 an: ein humanoider Industrieroboter, der seinen Akku eigenständig in unter drei Minuten tauschen kann – ohne Abschalten und ohne menschliche Hilfe. Damit rückt ein nahezu durchgängiger 24/7-Betrieb erstmals realistisch in greifbare Nähe.

Als Terra Robotics schauen wir auf solche Entwicklungen nicht als Showreel, sondern als konkreten Baustein für Smart-Factory-Szenarien, in denen Prozesse stabil, skalierbar und wirtschaftlich laufen müssen.


Warum „Energie“ bislang der Flaschenhals mobiler Robotik war

Mobile und humanoide Systeme sind heute oft nicht an der Mechanik gescheitert, sondern an einem ganz pragmatischen Punkt: Energieversorgung und Standzeiten. Klassisches Laden bedeutet Stillstand – und Stillstand ist in getakteten Abläufen teuer.

Der Ansatz beim Walker S2: Batterie nicht „warten lassen“, sondern „wechseln lassen“ – automatisiert, planbar und in den Prozess integrierbar. Genau das ist der Kern der Innovation.


Akku-Hot-Swap in unter drei Minuten: So wird 24/7 überhaupt erst denkbar

Der Walker S2 kann bei niedrigem Ladestand selbstständig eine Batterie-Wechselstation anfahren und den Akku im laufenden Betrieb tauschen. UBTECH beschreibt dies als autonomes Hot-Swap-System mit koordiniertem Dual-Arm-Wechsel – der Tauschvorgang dauert dabei unter drei Minuten.

Wichtig für die Praxis: Die Energiearchitektur ist auf dynamisches Powermanagement ausgelegt. Der Roboter kann – abhängig von Aufgabenprioritäten – entscheiden, ob Akkutausch oder Lademodus sinnvoller ist.

Orientierungswerte aus der Berichterstattung nennen zudem (je nach Konfiguration) Laufzeiten von ca. 2 Stunden Gehen bzw. ca. 4 Stunden Stehen pro Batteriesatz sowie rund 90 Minuten für eine vollständige Ladung.


Industrietauglich heißt: Nutzlast, Reichweite, Wiederholgenauigkeit

Ein humanoider Roboter ist nur dann relevant, wenn er nicht nur „laufen“, sondern arbeiten kann. Der Walker S2 wird als Serienmodell für industrielle Umgebungen positioniert, u. a. mit:

Beweglichkeit und Manipulation

  • 52 Freiheitsgrade (DoF) für menschenähnliche Bewegungsabläufe.
  • Nutzlast bis 15 kg (z. B. für Handling, Transport, Maschinenbedienung).
  • ±162° Taillenrotation für weiträumige Manipulation und bessere Erreichbarkeit im Arbeitsraum.

Wahrnehmung und Orientierung

UBTECH setzt auf RGB-binokulare Stereo-Vision („Human-eye“), kombiniert mit Deep-Learning-basierter Tiefenschätzung für die Umgebungserfassung.

Hinweis: Angaben zu Größe/Gewicht variieren je nach Quelle und Konfiguration; Berichte nennen eine Spannbreite von etwa 1,62–1,76 m.


KI-Architektur: Wenn „ein Roboter“ zum Teamplayer wird

Spannend ist beim Walker S2 nicht nur die Mechanik, sondern das Zusammenspiel aus Robotik und KI:

Dual-Loop-Ansatz: BrainNet 2.0 + Co-Agent

Xpert.digital beschreibt ein duales KI-System aus BrainNet 2.0 und Co-Agent, das sowohl Einzelaufgaben als auch Schwarm-/Teamkoordination unterstützen soll.
Auch UBTECH bewirbt „BrainNet 2.0 + Co-Agents“ als Grundlage einer task-driven swarm intelligence für Fertigungsumgebungen.

Für Unternehmen bedeutet das perspektivisch: Humanoide Systeme werden nicht nur „ausgeführt“, sondern lassen sich stärker in Workflows, Rollen und Prioritäten einbinden – z. B. als flexible „Lückenfüller“ zwischen Stationen, wo klassische Automatisierung zu starr oder zu teuer ist.


Wo ein humanoider 24/7-Roboter in der Praxis wirklich Sinn ergibt

Humanoide Robotik ist nicht automatisch die beste Lösung – aber sie kann genau dort stark sein, wo Infrastruktur und Variantenvielfalt klassische Automatisierung bremsen.

Typische Einsatzfelder (Smart Factory & Logistik)

  • Materialhandling: Teile holen/bringen, Zwischenpuffer bedienen, Nachschubfahrten
  • Maschinennahe Assistenz: Be-/Entladen, einfache Bedienhandlungen, Übergaben
  • Intralogistik: Transport von Kleinladungsträgern, Kitting, Kommissionierunterstützung
  • Ergonomie & Sicherheit: repetitive oder ergonomisch kritische Tätigkeiten reduzieren

Der Walker S2 wird laut Bericht bereits in Automobil-Produktionsumgebungen getestet.


Integration: Was Sie vor einem Pilot unbedingt klären sollten

Damit aus „Beeindruckend“ auch „Wirtschaftlich“ wird, sollten Sie vorab drei Punkte sauber definieren:

1) Prozess- und Taktlogik

Welche Schritte sind wirklich variabel – und welche können standardisiert werden? Humanoide spielen ihre Stärke in variantenreichen Teilprozessen aus, nicht in hochoptimierten Single-Task-Zellen.

2) Infrastruktur: Wechselstation & Sicherheitskonzept

Akkuwechsel ist nur dann ein Vorteil, wenn die Wechselstation prozessnah platziert und sicher eingebunden ist (Zugänglichkeit, Verkehrswege, Zonen, HSE).

3) KPI-Set für den Business Case

Definieren Sie vor dem Start messbar:

  • Verfügbarkeit / Stillstandszeiten
  • Taktzeitbeitrag (direkt/indirekt)
  • Fehlerrate / Qualitätsauswirkungen
  • Ergonomie- und Sicherheitsentlastung

Fazit: Der Walker S2 steht für eine neue Robotik-Logik – „arbeiten statt warten“

Der größte Schritt beim Walker S2 ist nicht „humanoid“, sondern betrieblich: Ein Roboter, der Energieversorgung autonom managt und Standzeiten drastisch reduzieren kann, verändert die Rechnung für den industriellen Einsatz fundamental. Akku-Hot-Swap in <3 Minuten und ein auf 24/7 ausgelegtes Powermanagement sind dabei das zentrale Differenzierungsmerkmal.

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